Ich stell mich mal vor - Teil 1

Ich stell mich mal vor - Teil 1

Hallo liebe Community,

Oder

Hallo Leute…

Oder

Hallo liebe Alle….

Was solls. Ich schätze das wird sich noch finden. Fühlt euch alle gegrüßt.

Ich bin Claudia, 37 Jahre jung, mein Sternzeichen ist Wassermann, meine Lieblingsfarbe wechselt nach Laune und wabert zwischen Mint und Rosa. Die Tatsache das Rosa meine Lieblingsfarbe ist bedarf in meinem Fall jahrelanger Entwicklung. Aber das ist wohl nicht weiter interessant.

Seit über drei Jahren ist meine Identität und mein Alltag in einem Wort zu beschreiben.

Mama.

Ein simples Wort das meiner Meinung nach so viel beinhaltet, dass kein anderes Wort daran heran reicht. Liebe, Tod und Hass wirken dagegen wie hellgrauer Haferschleim.

Das Mama-Sein hat mich sprichwörtlich durchgekaut, verdaut und wieder ausgespuckt. Nichts, aber auch gar nichts, sollte jemals da heran reichen.

Und denkt nicht das ich nicht bereits einiges durchhabe. Psychische Gewalt, Missbrauch, drogenabhängige Ex-Freunde und toxische Beziehungen mit sämtlichen hinreichenden Folgen habe ich als Gamerin bereits durchgespielt.

Nichts bereitet dich darauf vor, wirklich gar nichts. Keine Erzählungen deiner Freundinnen und Verwandten, Youtube-Recherchen oder Dokumentationen.

Wenn der Zeitpunkt gekommen ist - in der man innerhalb einer Sekunde von einer Schwangeren zu einer Mama geworden ist – trifft es ein wie ein Blitz. Oder dem Urknall.

Wir wollen ja nichts verharmlosen.

Ursprünglich wollte ich eine natürliche Geburt, wie mir meine Instinkte geraten hatten. Auf einem Ball sitzend oder auf allen vieren wollte ich ohne PDA mein Kind auf die Welt pressen, so wie Mutter Natur sich das ausgedacht hatte. Ausblendend das der Kopf womöglich zu groß und das Becken zu klein ist.

Da ich eingeleitet hatte, da sie bereits eine Woche überfällig und ihr Vater seit einer Woche emotional durchfällig war, sollte alles anders verlaufen.

Sturmwehen setzten ein und mit der letzten Luft die mir in den Lungen verblieben war, ehe ich unaufhörlich zu schreien begann, rief ich dem Kindsvater zu das es Zeit für eine PDA war.

Die bekam ich auch. Eine Dreiviertelstunde später, inzwischen schweißnass und zitternd vor Schmerzen. Während ich innerlich schreiend mir die Aufklärung des Anästhesisten anhörte lief über meine Bluethooth-Box die Titelmelodie von Game of Thrones. Ob das ein Zeichen des Universums war? Ein kurzer Einblick in meine Zukunft? Falls ja, teilten das Universum und ich wohl den selben Humor.

Dummerweise erhielt ich während meiner Heldenreise weder einen Schattenwolf noch einen Drachen. Und ich traue dem Universum viel zu, doch diese Wünsche werden wohl immer unerfüllt bleiben.

Da das Kind ein Sternengucker war und nach einer langen Nacht der betäubten Glückseligkeit die Herztöne etwas sanken drohte man mir schon mit einem Kaiserschnitt. Doch ich stellte klar das sie gefälligst unten rauszukommen habe, egal ob sie mir alles aufreißt. Sie nahmen Blut von ihrem Kopf der bereits nicht mehr tief im gelobten Land steckte und es stellte sich raus das sie nicht gestresst war. Ich fühlte mich kraftlos, also verlangte ich vom Kindsvater mir Apfelsaft zu bringen und direkt ging es uns beiden besser.

Da es dem Krankenhaus jedoch dennoch nicht schnell genug ging, (denn eine Geburt bringt kein Geld mehr ein, wenn sie länger als zwölf Stunden geht), denn ich lag bereits 11 Stunden im Kreissaal. Also standen plötzlich fünf Leute des Personals in meinem Kreissaal und eine Ärztin begann mir bei jeder Wehe auf die Gebärmutter zu drücken. Und das waren die schlimmsten Schmerzen meines Lebens. Dagegen war der Wehensturm ein Witz. Warum das überhaupt Klappen sollte versteh ich bis heute nicht.

Während dem Pressen war ich mit dem Oberkörper halbwegs aufrecht gelegen, da ich unbedingt die Schwerkraft mit einsetzen wollte und es für Blödsinn halte während dem Akt wie ein Käfer auf dem Rücken zu liegen. Abgesehen davon das nachweislich unser Steiß bei der Geschichte im Weg ist. Letztendlich kam die Saugglocke zum Einsatz und ich wurde - trotz des Umherrührens der Schwester (ich weiß nicht ob sie Hebamme oder Ärztin war) wie ein Suppenlöffel im Kochtopf – in allen Richtungen aufgerissen.

Dann kam endlich der ersehnte Moment. Die Dehnung ließ nach und ein feuchtes Wesen aus Schleim wurde mir auf den Bauch geklatscht. Ich erinnere mich nicht ob es einen kurzen Schrei gab oder gar nicht. Denn sie lag mit wachen und offenen Augen auf meiner Brust und blickte sich um. Soweit sie es in ihrem halb blinden Zustand konnte.

Mein Baby war trotz verformten Alienkopf das schönste Kind der Welt und während ich sie im Arm hielt wurden mir vier Nähte verpasst mit dem Kommentar der Ärztin: „Ich mach dich etwas enger.“

Das war der passende Auftakt zu meinem neuen Lebensabschnitt.

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